Autorenbeiträge
nach dem Büchlein von den Anfängen des Predigerordens des Jordan von Sachsen Nr. 12 und 13 a) Übersetzung aus V. Koudelka (Hg.): Dominikus, Olten 1983, 76f..

Gotteserfahrung und Gebet des Dominikus

Weil er so fast seine ganze Zeit mit Beten und Meditieren verbrachte, verließ er kaum die Umfriedung des Klosters. Gott hatte ihm die besondere Gabe verliehen, über Sünder, Arme, Bedrückte zu weinen. Er nahm sich ihr Unglück so zu Herzen, daß er sein Mitgefühl in seinen Augen zu lesen war. (Ebd. 12)

5. Die Nacht pflegte er sehr oft im Gebet zu verbringen und bei verschlossener Tür den Vater im Himmel anzuflehen. Es kam nicht selten vor, daß er während oder am Ende seines Betens aus dem Innersten heraus seufzte oder gar schrie; er konnte sich dabei nicht zurückhalten, man hörte diese Schreie von weitem. Und dies war die besondere Bitte, die er immer wieder an Gott richtete: Er möge ihm eine echte Liebe geben, damit er für das Heil der Menschen wirken könne. Er glaubte nämlich, erst dann ganz zu Christus zu gehören, wenn er sich mit allem, was er war und hatte, für das Heil der Menschen einsetzte; so wie unser Herr Jesus, der Erlöser aller Menschen, sich ganz für unser Heil hingegeben hatte. Er las mit Vorliebe in den >>Unterweisungen der Väter<< (von Johannes Cassian), einem Buch, das von den Fehlern, aber auch von all dem handelt, was das geistliche Leben fördert. Darin forschte er nach den Wegen, die zum Heile führen, und versuchte mit der ganzen Kraft seiner Seele ihnen zu folgen. Dieses Buch und die Gnade Gottes ließen ihn zu einer seltenen Reinheit des Gewissens gelangen, zu einer tiefen Einsicht in der Kontemplation und zu einem hohen Grad in der Vollkommenheit. (Ebd. 13)
b) Übersetzung aus M.D. Kunst: Meister Jordan, Kevelaer (1949), 19.

Er selbst aber, wie ein Ölbaum sprossend und wie eine Zypresse in die Höhe strebend, verweilte oft bei Tag und Nacht in der Kirche und gab sich ohne Unterlaß dem Gebete hin. Um sich die nötige Ruhe für das beschauliche Leben zu sichern, erschien er nur selten außerhalb der Umfriedung des Klosters. Gotte hatte ihm die besondere Gabe verliehen, zu weinen über die Sünder, über die Elenden, über die Bedrückten, deren Unglück er im innersten Heiligtum seines mitleidigen Herzens trug, wobei das brennende Mitgefühl in seinem Innern nach außen hervorbrach durch das Tor der Augen.

13. - Die Nacht pflegte er häufig im Gebete zu verbringen und bei verschlossener Türe den Vater anzuflehen. Es war seine Art, zuweilen auch beim Beten in lautes Stöhnen und Rufen auszubrechen. Er konnte sich dabei nicht zurückhalten, sodaß er in diesen Ausbrüchen von weitem deutlich gehört wurde. Eines aber war seine besondere Bitte, die er immer wieder an Gott richtete: er möge ihm gnädig eine wahre Liebe verleihen, die in der Sorge und Fürsorge für das Heil der Menschen wirksam sei. Er glaubte nämlich erst dann in Wahrheit ein Glied Christi zu sein, wenn er sich nach Kräften ganz für die Rettung der Seelen hingebe, wie ja auch Jesus der Herr, der Heiland aller, sich ganz für unser Heil darbot.

Gotteserfahrung und Gebet des Dominikus

nach dem Büchlein von den Anfängen des Predigerordens des Jordan von Sachsen Nr. 12 und 13

c) wörtliche Übersetzung von Nr. 12 (Ende)

FLENDI
PRO PECCATORIBUD, PRO MISERIS, PRO AFFLICTIS
SINGULAREM GRATIAM TRIBUERAT EI DEUS,
QUORUM CALAMITATES
IN INTIMO GESTABAT COMPASSIONIS
SACRARIO
ET ESTUANTEM INTERIUS
PER EXITUS OCULORUM FORAS EBULIEBAT
AFFECTUM

Zu Weinen
Für die Sünder, die im Elend, die ohne Hoffnung,
Hatte Gott ihm die einzigartige Gnade verliehen,
Deren Unheil, Unglück
Er ständig mit sich herumtrug im Innersten
Allerheiligsten des Mitleids,
Und er liess
Durch die Ausgänge der Augen nach Aussen
Hervorbrechen
Die Leidenschaftliche Betroffenheit,
Die Ihn innerlich aufwühlte