Auszug aus einem Text erschienen in:
Manfred Entrich, Mission. Unwort oder Programm? in Eggensperger, Thomas u.a., Hrsg., Kirche in Bewegung. Deutsch-niederländische Reflexionen zur Ekklesiologie aus dominikanischer Sicht.
Münster 2007. 59-66 (niederländisch 67-74)

Mission - Unwort oder Programm?

2. Worum kann es gehen, wenn nicht um die Wahrheit

Die Benediktinerin Johanna Domek beschreibt in einem Aufsatz die Umbrüche, die Orden in der Erfahrung von Welt und Wirklichkeit erleben und auch erleiden: Umbrüche im tiefsten Sinn des Wortes, in denen der Mensch aufbricht zum Bekenntnis des Glaubens und sich damit selbst besser wahrnimmt. Das ist Thema der pastoralen Praxis: die Gründe für den Glauben zur Sprache zu bringen. Kirchliche Praxis wird deshalb die Gründe, die sie zu einer gläubigen Lebenspraxis veranlasst, zur Sprache bringen. Sie wird deutlich von Gott sprechen als Handelndem, damit er im Handeln der Orden, Gemeinschaften und Gemeinden in der Kirche zum Lebensthema wird.Ein resignatives Verwalten der Restbestände des Christentums oder das reibungslose und möglichst schmerzlose Abwickeln einer großen Tradition zerstört den Kern des missionarischen Impulses des Evangeliums. Franz Kamphaus setzt diese Herausforderung in eine einfache Frage um: „Glauben wir daran, auf dem Weg Jesu neue Christen gewinnen zu können?" Es mangelt sicher nicht an Hinweisen, Informationen und Unterricht zu dem, was der Glaube sagt, wozu er den Menschen einlädt und was er im Menschen bewegen will.(6) Die Herausforderung für die Christen besteht nun darin, zu Zeugen des Glaubens zu werden. Die Zeugen der Auferstehung waren es, die das Evangelium Jesu Christi ein für allemal zur Sendung der Kirche werden ließen. Missionarische Spiritualität ist also nicht eine modische Variante kirchlichen Lebens und kein schicker Einfall der Pastoral heute. Sie berührt kraftvoll alle Dimensionen der Kirche, so dass sich weltumspannend die Orden, Gemeinschaften, Bewegungen und Pfarreien am Lebensbeispiel Jesu vergewissem können. „Die Kirche ist ihrem Wesen nach missionarisch, weil sie Anteil hat an der Sendung (lat.: missio) Christi. Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch (Joh 20,21) ist gleichsam die Zusammenfassung jeder theologischen Begründung des missionarischen Handelns der Kirche."(7)

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Literaturangaben

4 Vgl. J. Dümek. Ordentliche Orden - Bewegende Bewegungen, in: Wort und Antwort 47 (2006), 75-80. Dieser Beitrag bildet zusammen mit weiteren hier angeführten Aufsätzen das Themenheft „Pastoral im Umbruch" der Dominikanerzeitschrift Wort und Antwort 47 (2006). 49-96.
5 Vgl. ebd., 75-80.
6 Allein in Nordrhein-Westfalen erhalten ca. 1 Million Schüler wöchentlich 1 bis 2 Stunden Religionsunterricht (RU); ein Heranwachsender bis zur 10. Klasse etwa 600 Stunden RU, dazu etwa 300 weitere bis zum Abitur. Es gibt über 50 Lehrstühle für Religionspädagogik bzw. Katechetik an deutschen Hochschulen. Jährlich begleiten etwa 50.000 ehrenamtliche katechetische Mitarbeiter/-innen Kinder und Jugendliche in der Hinführung zu den Sakramenten. Die Menge an katechetisch-religionspädagogischer Fachliteratur, Untemchtsmodellen und katechetischer Materialien ist unüberschaubar.
7 R. Poirel, Die Weltkirche als Thema in neuen pastoralen Räumen, in; Wort und Antwort 47 (2006), 68-74, hier 69.